Foto, Gruppenbild der Familie mit der Porzellansammlung
© Familie von Klemperer

Rekonstruktion der Porzellansammlung des Dresdner Bankiers Gustav von Klemperer (1852-1926)

Der angesehene Dresdner Bankier Gustav von Klemperer und seine Frau Charlotte besaßen mit über 900 Objekten die wohl umfangreichste und bedeutendste Privatsammlung Meissener Porzellans des 18. Jahrhunderts in Deutschland. Deren Schicksal steht exemplarisch für das zahlreicher jüdischer Sammlungen in der Zeit des Nationalsozialismus und ist eng mit der Institutionsgeschichte der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden verknüpft.

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Das Forschungsprojekt

Der weitaus größere Teil der 1938 „sichergestellten“ und später konfiszierten Sammlung Gustav von Klemperer gilt nach wie vor als verschollen. Ein Ziel des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projektes war es, die Verlustwege der verlorengegangenen Porzellane zu ermitteln. Ebenso galt es, das Verfolgungsschicksal der Familie von Klemperer zu untersuchen sowie die Geschichte der Villen, die sie in Dresden bewohnten, zu erforschen.

Projektlaufzeit: 11/2019 - 08/2021
Projektleiterin: Anette Loesch, Oberkonservatorin Porzellansammlung
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Kathrin Iselt

© Dummy
Dummy Dummy für Foto mit Katalog, Hippomenes, Fichtner etc. von Herrn Sauer

Stammbaum der Familie von Klemperer

Zusammengestellt von Brian Sparg, Urenkel von Gustav und Charlotte von Klemperer

Zum Stammbaum

Foto, Gruppenbilder der Familie
© Familie von Klemperer
Familie von Klemperer, 1920

Erinnerungen

Michaela Howse

erinnert sich an die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Ida Charlotte Abel, geb. von Klemperer

Foto, Profil einer älteren Frau
© Lynne Howse, Südafrika

Victor Francis von Klemperer

über seinen Großvater Victor von Klemperer

Victor von Klemperer (1876-1943) mit Tochter Dorothea, 1938
© Familie von Klemperer

Aufsätze

Mit dem Schicksal der Familie von Klemperer beschäftigten sich vier Wissenschaftler*innen - Anette Loesch, Kathrin Iselt, Sabine Rudolph und Andreas Graul.
So wurden die wechselvolle Geschichte der kostbaren Porzellansammlung Gustav und Charlotte von Klemperers dargestellt, die eng mit der Institutionsgeschichte der Dresdner Porzellansammlung verknüpft ist, die prachtvollen Dresdner Villen der Familie rekonstruiert sowie die Rolle der Bankiers Gustav und Victor von Klemperer beleuchtet.

Zu den Aufsätzen

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Porzellansammlung
Gustav von Klemperer, Gemälde von Jan Pieter Veth (1864-1925) aus dem Katalog Porzellansammlung Gustav von Klemperer, Dresden 1928

Zentrale Quellen

Für die Rekonstruktion der Sammlung Gustav von Klemperer waren vor allem drei Quellen von zentraler Bedeutung - der Katalog der Porzellansammlung Gustav von Klemperer von 1928, die Probedrucke für die Tafeln zu diesem Katalog sowie einige Fotografien von Fritz Fichtner, der von 1933 bis 1945 Direktor der Staatlichen Porzellansammlung Dresden war.

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© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Porzellansammlung
Fotohülle zur einer Aufnahme von Fritz Fichtner, Oktober 1939

Verluste der Sammlung

Die rekonstruierte Sammlung von Klemperer umfasst 929 Positionen. Die Recherchen des Projektes ergaben eine stückgenaue Verlustliste von 614 Porzellanen. Somit ist heute klar, dass zwei Drittel der Sammlung von Klemperer verloren gegangen sind.
Für jedes Einzelstück wurde der Verlustweg ermittelt und in der LostArt-Datenbank dokumentiert.

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Foto, hoher Raum, zugestellt mit Mobiliar und großen Holzkisten
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Porzellansammlung
Auslagerungskisten mit Porzellan im Spiegelsaal von Schloss Rammenau, 1939/1941

Restitutionen und Schenkungen

Vitrine mit Porzellanen aus der Sammlung Gustav von Klemperer
© David Pinzer Fotografie
© Bonhams
Eine Schenkung von Lynne Howse - 2011

Brandzeichen

Die Figur des Hippomenes ist stark beschädigt, es fehlen der Kopf, Teile des Körpers und des Sockels. Schwarze Verfärbungen auf der Glasur sind zu erkennen. Die Bombennacht im Februar 1945 hinterließ nicht nur an dieser Figur ihre Spuren. Das starke Feuer in Dresden erreichte unvorstellbar hohe Temperaturen. In die dadurch erweichte Glasur der Porzellanstücke konnte die Asche einschmelzen und konservierte die Spuren dieser traumatisierenden Ereignisse bis heute. Auf ihre Art sind gerade die vom Brand gezeichneten Porzellane eindrucksvolle Zeugen der Geschichte.

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Foto, vier Fragmente der Figur des Hippomenes mit Rußspuren
© Adrian Sauer
Fragment der Figur des Hippomenes Modell Johann Friedrich Eberlein, Meissen, 1741-1747

Videos

ZDF Digitale Kunsthalle

Porzellansammlung Gustav von Klemperer (6:33 min)

Anette Loesch, Oberkonservatorin der Porzellansammlung, und Gilbert Lupfer, Leiter der Abteilung Forschung und wissenschaftliche Kooperation, SKD

Anette Loesch Film Still
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
ZDF Digitale Kunsthalle

Broken Plates (1:39 min)

Edmund de Waal, britischer Künstler, Wissenschaftler und Autor

Edmund de Waal, Film Still
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Veranstaltung | PREP 2019

Raub und Restitution der Sammlung Gustav von Klemperer (2:01:33 h)

Mitschnitt der Abendveranstaltung des Deutsch-Amerikanischen Austauschprogramms zur Provenienzforschung (PREP) 2019 in Dresden

© David Pinzer Fotografie

Ein kollektiver Comic

Gemeinsam mit der Körber-Stiftung und dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Jahr 2018 junge Menschen aus Deutschland, Großbritannien, Israel, Lettland und Spanien eingeladen, sich mit NS-Verfolgung, Provenienzforschung und Restitution zu beschäftigen und in zeitgemäßer Form davon zu berichten. Mit der Illustratorin Elke Renate Steiner entstand ein Comic, der als Duett vom Schicksal der Familie von Klemperer erzählt.

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Dank

Unser besonderer Dank gilt der Familie von Klemperer, insbesondere Lynne und Michaela Howse, Victor Francis von Klemperer, Nils Ralph von Klemperer, Ursula Elisabeth Ryffel und Brian Ralph Sparg.

Für die freundliche Unterstützung danken wir den Kolleginnen und Kollegen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Unser ganz besonderer Dank gilt Julia Weber, Direktorin der Porzellansammlung, und Gilbert Lupfer, Leiter der Abteilung Forschung und wissenschaftliche Kooperation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Für ihre kollegiale Unterstützung danken wir herzlich Jenny Brückner, Karsta Kiss-Haußmann, Maria Obenaus, Karolin Randhahn und Vera Wobad.

Für die freundliche Unterstützung und hilfreichen Auskünfte danken wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, Magdeburg, des Sächsischen Staatsarchivs, Hauptstaatsarchiv Dresden, des Stadtarchivs Dresden, des Archivs der Technischen Universität Dresden und des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, Dresden.

Felix von Boehm, art/beats, Berlin; Angela Buchwald, Technischen Universität Dresden, Universitätsarchiv, Dresden; Matilda Burn, Christie’s, London; Rainald Franz, MAK – Museum für angewandte Kunst, Sammlung Glas und Keramik, Wien; Ronny Geißler, Stolpersteine für Dresden e. V., Dresden; Tilo Grabach, Germanisches Nationalmuseum, Sammlung Kunst und Kunsthandwerk 19. bis 21. Jahrhundert, Nürnberg; Andreas Graul, Leipzig; Susanne Grimaldi, Stolpersteine für Dresden e. V., Dresden; Katharina Hantschmann, Bayerisches Nationalmuseum, Meißener Porzellan-Sammlung Stiftung Ernst Schneider in Schloss Lustheim, München; Claudia Kanowski, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Kunstgewerbemuseum, Berlin; Romy Hartmann, Sächsisches Staatsarchivs, Hauptstaatsarchiv Dresden, Dresden; Elisabeth Kohlhaas, Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Dokumentations- und Informationszentrum Torgau; Andrea Kollinger, Germanisches Nationalmuseum, Bibliothek, Nürnberg; Manuela Krüger, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Kunstgewerbemuseum, Berlin; Thomas Kübler, Stadtarchiv Dresden, Dresden; Sebastian Kuhn, Bonhams, London; Matthias Lienert, Technischen Universität Dresden, Universitätsarchiv, Dresden; Carmen Lorenz, Bundesarchiv, Berlin; Wolfgang Oleschinski, Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Dokumentations- und Informationszentrum Torgau; Carlo Paulus, art/beats, Berlin; Petra Pechaček, Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Abteilung Sammlungen und Vermittlung, Bruchsal; Ragna Petrak, Sächsisches Staatsarchivs, Hauptstaatsarchiv Dresden, Dresden; Silke Reuther, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Abteilung Provenienzrecherche, Hamburg; Margret Ribbert, Historisches Museum Basel, Abteilung Angewandte Kunst und Alltagskultur, Basel; Magda Ritter, Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Schlossverwaltung, Rastatt; Sabine Rudolph, Heimann Hallermann Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, Dresden; Kirsten Vincenz, Technischen Universität Dresden, Kustodie, Dresden; Jutta Wiese, Technischen Universität Dresden, Universitätsarchiv, Dresden; Claudia Zachow, Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan Hohenberg an der Eger/Selb, Selb.

Förderer

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