© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

A K Dolven und der Porzellanblumenstrauß

Blickwechsel: Schenkung Sammlung Hoffmann / Porzellansammlung

Die Geschichte der Bildenden Kunst ist auch eine Geschichte der Mimesis, also des Anliegens der Menschen, die Natur zu imitieren. Bereits die frühesten bekannten menschlichen Bildwerke — steinzeitliche Höhlenmalereien — beziehen sich auf die Natur und versuchen diese einzufangen. Die norwegische Künstlerin A K Dolven thematisiert diesen Nachahmungstrieb in ihrer Arbeit „still life“ und treibt ihn auf die Spitze. Sie bringt die Blume, eine Tulpe, nicht auf die Leinwand, bildet sie also nicht nach, sondern macht sie zur Leinwand. Sie bemalt sie mit weißer Farbe und hält diesen Prozess in der Videoinstallation fest. 

  • Laufzeit 12.05.2026—01.11.2026
  • Öffnungszeiten täglich 11—17 Uhr, Montag geschlossen Pfingstsonntag, 24.05.2026 11—17 Uhr Pfingstmontag, 25.05.2026 11—17 Uhr
  • Eintrittspreise regulär 6 €, ermäßigt 4,50 €, Schülerinnen und Schüler (unter 20 Jahre) 2 €, Kinder bis Schuleintritt frei, Gruppe ab 10 Personen 5,50 €
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Das Verhältnis

Das Verhältnis von natürlichem zu künstlichem oder künstlerischem Anteil rückt Dolven auch dadurch in den Vordergrund, dass sie den Prozess des Bemalens und also die „Bildwerdung” der Natur im Video rückwärts abspielt. Die zunächst weiße und tatsächlich porzellanhaft anmutende Blüte „entblättert” nach und nach ihre eigentliche Farbe, kehrt zurück in ihren natürlichen Zustand. Die Tulpe erscheint in diesem Prozess zugleich vital und fragil. Nicht zuletzt regt das Werk Fragen zu jenem menschlichen Nachahmungstrieb und zum Verhältnis von Natur und Abbild in der Kunst an. 

Im „Blickwechsel“ mit dem 1749 in Frankreich angefertigten Porzellanblumenstrauß tritt das Spannungsverhältnis zwischen Natur und künstlerischer Nachahmung besonders deutlich hervor. Der aus Frittenporzellan gefertigte Blumenstrauß besticht durch eine nahezu täuschende Lebensechtheit, in der sich feinste botanische Details und subtile Farbnuancen zu einer illusionistischen Naturnachahmung verdichten.

Einst rund

Einst rund 470 fragile Porzellanblüten tragend, ist das Dresdner Bouquet bis heute das größte seiner Art weltweit. Zwei Jahre nach der Hochzeit von Prinzessin Maria Josepha von Sachsen mit dem französischen Dauphin Louis Ferdinand de Bourbon im Jahr 1747 gelangte es als Geschenk an den sächsischen Hof. Geschaffen wurde der Strauß in der 1740 gegründeten Porzellanmanufaktur Vincennes. Die botanisch korrekt nach der Natur geformten Blüten wurden in der Werkstatt von Henriette Gravant produziert, die bis zu 45 Kunsthandwerkerinnen in unmittelbarer Nähe der Manufaktur beschäftigte. In zarten Farbtönen staffiert, wurden sie häufig mit feuervergoldeten Bronzemontierungen oder Uhrengehäusen – oft auch mit Meissener Figuren – von spezialisierten Händlern in Paris kombiniert. Das ewig blühende Bouquet ist nicht nur ein jahreszeitenunabhängiger Frischegarant im Innenraum, sondern zugleich Zeugnis der sächsisch-französischen Diplomatie in der Mitte des 18. Jahrhunderts. 

Gerade im Kontrast zu dieser illusionistischen Perfektion wird A K Dolvens künstlerische Strategie umso deutlicher: Sie verzichtet bewusst auf die vollendete Nachahmung und legt stattdessen den Prozess und macht das Bildwerden selbst zum Gegenstand der Kunst.

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